Russland beschließt vollständiges Verbot gentechnisch veränderter Nutzpflanzen und Tiere

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    NEOJournal
    Der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen ist jetzt in Russland verboten. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 500.000 Rubel (6.900 Euro).

    Die Staatsduma, die erste Kammer des russischen Parlaments, verabschiedete einen Gesetzesentwurf zum Anbauverbot von gentechnisch veränderten Organismen. Demnach soll:

    • „der Anbau und die Züchtung von Pflanzen und Tieren, deren genetisches Programm unter Verwendung von gentechnischen Verfahren verändert wurde
    • oder die gentechnisch hergestelltes Material enthalten, welches kein Ergebnis der natürlichen Prozesse ist„, untersagt werden.

    Ausschlaggebend für entsprechende Zulassungen seien die zu erwartenden Auswirkungen der betreffenden Produkte auf Mensch und Umwelt. Eine Verletzung des Verbotes kann künftig eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Rubel – umgerechnet 6.900 Euro nach sich ziehen. Eine Ausnahme für den Anbau und die Züchtung von Pflanzen und Tieren zu Forschungszwecken soll allerdings gelten.

    Russland hängt aktuell von Saatgut-Importen ab

    Russland ist derzeit bei Saatgut und Pflanzmaterial sehr stark auf Importe angewiesen. Der Duma-Abgeordnete Andrej Tumanov hatte jüngst in Moskau auf die damit verbundene Gefahr für die Lebensmittelwirtschaft des Landes hingewiesen. Diese Problematik betreffe alle Betriebszweige der Landwirtschaft und des Gartenbaus. Ausgenommen seien Saatgut für Weizen und einige andere Getreidearten. Während der letzten zwei Jahrzehnte sei Russlands Saatgutwirtschaft „praktisch zerstört“ worden, so der Agrarpolitiker. Die Züchtungsarbeiten lägen zu 95 Prozent am Boden, insbesondere die Kartoffelzüchtung.

    Niederlage für Monsanto, Bayer, Syngenta, Dow, DuPont und Konsorten

    Die Freunde gentechnisch veränderter Organismen (GVO) müssen derzeit reichlich schwere Niederlagen verdauen. Einst schien der Vormarsch von Monsanto, Bayer, Syngenta, Dow, DuPont und Konsorten unaufhaltbar. Doch das Projekt ist arg ins Trudeln geraten.

    Die GVO-Lobby hatte massiven Druck auf einzelne Duma-Abgeordnete und auf russische Forscher ausgeübt und auf die Vorzüge der Gentechnik als der „am besten geeigneten und effektivsten Methode zur Veränderung des Erbguts von Nutzpflanzen zur Ertragssteigerung sowie der Verbesserung von Geschmack und Nährwert der Produkte oder der Resistenz gegen Schädlinge“ verwiesen. Sie halten eine Renaissance der russischen Saatgutwirtschaft nur mit den Erkenntnissen und Verfahren der Gentechnik für möglich. Trotzdem blieb das russische Parlament standhaft und beschloss ein vollständiges Verbot aller GVO-Nutzpflanzen und gentechnisch veränderten Tiere. Das neue Gesetz erlaubt der russischen Regierung zudem die Einfuhr von Produkten zu verbieten, die GVO enthalten. Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, dass eine spezielle GVO-Art negative Folgen für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt hat.

    Wir von NEOJournal begrüßen diese Entscheidung und wünschen uns eine solch mutige und standhafte Stimme auch in Deutschland und Europa!

     

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